Geschichte Hirsernbad

Wann zum ersten Mal auf der Hirsern mit dem bewirten von Gästen begonnen wurde, ist nicht ganz genau bekannt. Sicher ist aber, dass das im Bauernhaus vis à vis vom Hirsernbad stattgefunden hat.

Im Jahre 1842 begannen dann die damaligen Besitzer Elisabeth und Jakob Richard mit dem Neubau, dem heutigen Hirsernbad, welches 1843, also die erste Etappe, fertiggestellt wurde.

Die Sandsteinblöcke wurden mit Hilfe der Nachbarn aus der Fluh (oder Grube) ein paar hundert Meter entfernt, mit dem Fuhrwerk angeliefert. Das war nachbarliche Hilfe, welche unentgeltlich gemacht wurde!

Etwa zur gleichen Zeit wurde auch etwas abseits des Gasthofs eine Badehütte errichtet und ein Badebetrieb aufgenommen. Da zu jener Zeit eigene Badezimmer nicht existierten, wurde diese Einrichtung zu Beginn hauptsächlich von der Bevölkerung der Umgebung benutzt.Nebst Gasthof, Landwirtschaft und Badebetrieb hat der damalige Besitzer, Jakob Richard auch noch eine Fuhrhalterei betrieben. Mit seinen 4 Halbeseln kutschierte er bis ins Waadtland und auch bis ins Elsass.

Als 1869 Jakob Richard starb, übernahmen die beiden Töchter die Liegenschaft. Beide waren verheiratet und so sorgte das eine Paar für die Landwirtschaft und das andere für den Gasthof.

In dieser Zeit wurde auch ein erster Anbau verwirklicht. Einige Zimmer über den zwei Stübli wurden für die immer zahlreicher werdenden Badegäste benötigt.

Im Jahre 1870 wurde dann vis à vis der Wirtschaft das neue Badehaus mit 6 Badekammern à je zwei Kästen errichtet. Dieses wurde bis zum Jahr 1950 betrieben und dann mangels Bedürfnis eingestellt.

1896 wurde die ganze Liegenschaft also Gasthof, Landwirtschaft und Badebetrieb verkauft. Die Käufer waren die zwei Brüder Wittwer und zusammen bewirtschafteten sie diese grosse und vielseitige Liegenschaft, wahrscheinlich mit einer Anzahl von Mägden und Knechten. Im gleichen Jahr heiratete der eine Bruder und so kam wieder eine Wirtsfrau auf die Hirsern.

1898 muss es ein grosses Unwetter gegeben haben, denn der Weinkeller war voll Wasser und es dauerte drei Tage bis er wieder freigeschöpft war.
Bald überlegte man sich, Reklame zu machen für den Gasthof und Bad und so kamen bald mehr Gäste aus Langenthal und Umgebung. Stolz waren die Wirtsleute, als sie die ersten Gäste aus Zürich bewirten durften. Bald war der Kochherd zu klein und so stand dann ein neuer 4 Loch Herd in der Küche. Im Hirsernbad muss gut gekocht worden sein, denn es kamen nun auch Gäste aus Basel und das nicht wenige.

1914-1918 war eine schwierige Zeit. Es herrschte Krieg und die Gäste blieben weg. Der guten Führung und der guten Küche verdanken es die Wirtsleute, dass die Gäste nach dem Krieg wieder zurückkamen. Nicht nur schwierige und traurige Zeiten gab es damals, vier Söhne wurden geboren und erfüllten das Haus mit lachen

und leben.
Als 1926 der Vater verstarb mussten die Jungen Verantwortung übernehmen und mit Onkel und Mutter den Betrieb weiterführen.

1933 Auch das Bauernhaus ist in die Jahre gekommen und so wurde dieses renoviert und umgebaut. Im Gasthof wurden mehr Zimmer benötigt, da Badekuren im Hirsernbad sehr geliebt waren. Also wurde ein weiterer Anbau nötig. Es entstand ein neues Sääli und darüber wieder einige neue Zimmer so standen nun etwa 12 Zimmer zur Verfügung. Nicht nur das Baden auch das Kulinarische kam nicht zu kurz!

So kostete zu jener Zeit eine Übernachtung mit Vollpension (pro Tag 4 Mahlzeiten) Fr. 4.-- bis Fr. 4.50 und das bei reichhaltigen Menu's.

Dagegen kostete eine Fahrt mit der Kutsche nach Sumiswald oder nach Langenthal Fr. 5.-- oder mit einem Zweispänner sogar Fr. 8.--.

Aber nicht nur Kurgäste liessen sich im Hirsernbad verwöhnen, die Ärztegesellschaft Oberaargau hält ihre Herbstversammlung seit 19?? im Hirsernbad ab. Im Anschluss ist traditionell ein Essen und der Jahreszeit entsprechend ist das Rehrücken.
1934 übergab die Mutter die Liegenschaft an zwei Söhne. Beide waren verheiratet der eine war Koch der andere Landwirt und so übernahm Hans den Gasthof und Fritz die Landwirtschaft. Kurze Zeit später wurden die beiden Betriebe getrennt und fortan separat betrieben.

Der Gasthof wurde mit viel Erfolg zu einem bekannten und beliebten Ort zum Einkehren, Hochzeiten, Taufen und andere Familienfeiern, aber auch Tanzanlässe wurden hier gerne abgehalten.

Nachdem im Jahre 1956 Hans Wittwer starb, führte seine Frau Liseli den Gasthof mit Hilfe ihrer zwei Töchter weiter. Da ihn jedoch keine später übernehmen wollte, entschloss sie sich zu verkaufen.

Es folgte eine unruhige Zeit für das Hirsernbad, denn es gab in den nächsten 13 Jahren 4 Besitzerwechsel. Dass sich dies nicht positiv auswirkte, machte sich im Rückgang der Gäste bemerkbar.
Im Jahre 1963 kaufte Herr Erwin Andres den Gasthof von Frau Wittwer und führte denselben bis 1968.

Es folgte Herr Peter Angele, welcher den Gasthof bis 1975 führte.

Wieder gab es einen Wechsel und zwar an Beat Richard. Während der Zeit von Hr. Richard blieb der Gasthof immer wieder für längere Zeit geschlossen, zuerst wegen Umbauarbeiten, dann wegen Personalmangel. Nach einem Jahr gab er schliesslich auf und so konnten Irma und Georges Duss 1976 den Gasthof käuflich erwerben.

Mit viel Freude begann eine Zeit, das Hirsernbad wieder zu einem Treffpunkt der guten Gastronomie mit Ambiente und Gemütlichkeit zu machen. In dieser Zeit wurde immer wieder renoviert, saniert und umgebaut, aber immer wurde darauf geachtet, das Ursprüngliche zu erhalten.

Der Gasthof strahlt heute in seinen Stübli und Sääli eine warme Gemütlichkeit aus.
1987/88 wurde ein alter Berner Spycher restauriert und im Garten aufgebaut. Er dient für gemütliche Apèro's oder im ersten Stock als Sitzungszimmer. Er passt wunderbar in die Umgebung und ist auch für die Gartenwirtschaft eine Augenweide. Der Garten mit seiner grossen Buche in der Mitte ist sicher einer der schönsten im Oberaargau. Ein heisser Sommertag und ein feines Essen unter diesem Baum machen den Tag zu einem Erlebnis. Neben Spycher und Gartenwirtschaft ist auch ein grosser Spielplatz für die kleinen Gäste. Gross und Klein freut sich auch an den Zwergziegen, besonders wenn im Frühling die Jungen ihre Sprünge vollführen.

1989 kam der grösste Umbau, die Küche wurde neu und vergrössert. Die Toiletten mussten deswegen in den Keller verlegt werden und wurden aber ein richtiges Bijou.

Ab 1991 kam auch Sohn Roger mit seiner Frau Esther in den Betrieb und wir führten ihn zu viert, dafür ohne Ruhetage.

1996 wurde auf Bio-Fleisch umgestellt und auch bei den anderen Produkten wird so viel wie möglich auf Bio-Produkte geachtet.

1997 errang das Hirsernbad als erster Betrieb das Hygiene-Zertifikat von Gastrobern.

2003 Nach 12 Jahren gemeinsamem Arbeiten übergaben Irma und Georges Duss den Betrieb an Esther und Roger Duss, Seniors sind aber weiterhin für Ferienablösungen im Einsatz.

2007 Einbau einer Holzschnitzelheizung, es wurde auch hier viel Wert auf erneuerbare Energie gelegt.

Aus unserer Wasserquelle, welche sich im eigenen Waldstück befindet, fliesst stets bei trockenem und nassem Wetter 8 1/4 Liter Wasser pro Minute. Das Wasser ist von besonderer Qualität.